Zur Philosophie von Hans Jonas - im Dialog mit Tobias Kurzeder


Alles, was aus den Händen des Schöpfers kommt, ist gut; alles entartet unter den Händen des Menschen. Er zwingt einen Boden, die Erzeugnisse eines anderen zu züchten, einen Baum, die Früchte eines anderen zu tragen. Er vermischt und verwirrt Klima, Elemente und Jahreszeiten. Er verstümmelt seinen Hund, sein Pferd, seinen Sklaven. Er erschüttert alles, entstellt alles - er liebt die Mißbildung, die Monstren. Nichts will er so, wie es die Natur gemacht hat, nicht einmal den Menschen. Er muß ihn dressieren wie ein Zirkuspferd. Er muss ihn seiner Methode anpassen und umbiegen wie einen Baum in seinem Garten.
— Jean-Jaques Rousseau

Plakat zur Sendung

Zum Thema

Hans Jonas (1903-1993) ist in der heutigen Zeit als der Umweltphilosoph bekannt. Wie kam es dazu? Der Philosophie wird oftmals der Vorwurf gemacht, dass sie Probleme löse, die keiner habe. Das Denken von Hans Jonas wirkt diesem Vorwurf entgegen. Denn Jonas verbleibt nicht nur in den Fragestellungen der akademischen Philosophie, sondern konfrontierte sein Denken mit dem Leben und seiner Zeit. Dies führte ihn dazu, die Probleme der wissenschaftlich-technischen Zivilisation auf eine andere Weise zu denken. Daraus entstand sein berühmtestes Werk – Das Prinzip Verantwortung (1979).

Hier stellte er sich folgenden Fragen: Wie kann die Menschheit den Herausforderungen der Moderne begegnen? Was macht die Menschheit, wenn die Verheißungen der Technik sich in eine Bedrohung umkehren? Hat es überhaupt Sinn sich über das Über- und Leben auf der Welt Gedanken zu machen? Dies sind fundamentale Fragen, die, wenn man sich ihnen wirklich hingibt, auf Wege führen, die vielleicht veraltet wirken. Zumindest ist dies der Vorwurf der Kritiker/innen an der Philosophie von Hans Jonas. Denn was Jonas vorschlägt, ist ein Weg, der die Versöhnung zwischen Mensch und Natur sucht. Ein Weg, der nach Jonas nicht ohne den alten Kompass der Metaphysik bestritten werden kann. 

Aber genau das ist das Problem für die Kritiker/innen. Denn dieser metaphysische Kompass dient Jonas dazu, Sinn in der Natur zu finden. Damit will Jonas aber Orientierung schaffen und uns Menschen zeigen, dass wir ohne diesen Kompass hilflos in unser Verderben laufen. Freilich hat uns die Wissenschaft und Philosophie in den letzten 200 Jahren versucht zu erklären, dass dieser metaphysische Kompass in die Irre führt.  

 Die Leistung von Jonas ist es, trotzdem seinem Weg zu folgen, weil dieser – und nur dieser – nach Jonas in eine Welt von Verantwortung weist. Welche Wege der metaphysische Kompass von Hans Jonas vorschlägt, und wie der Umwelt dabei geholfen werden kann, versuchen wir in dieser Sendung mit einem Gast zu klären, der sich in seiner Abschlussarbeit an der Universität Freiburg auf dem Weg mit Jonas gemacht hat – Tobias Kurzeder.


Denken mit Tobias Kurzeder


Literatur zur Sendung


Woran es fehlt, ist nicht das Können, es ist die Weisheit und die richtige Zügelung und Lenkung unserer eigenen Kräfte. Und da wir selber die Ursache sind für das, was uns heute bedroht, so sollten wir eigentlich auch die Ursache sein können für die rechtzeitige Abwendung der darin schlummernden - und unseren Nachkommen viel mehr als uns selbst - bedrohenden Gefahren.
— Hans Jonas

Aufnahme und Ausstrahlung: Radio Dreyeckland Freiburg. 

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